Pleitewelle im Uhren-Markt: warum das eine Bereinigung ist
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Pleitewelle im Uhren-Markt: warum das eine Bereinigung ist

Chronext, Watchmaster, der Timepiece Gentleman, der WatchFund-Skandal. Drei Pleiten und zwei Betrugsfälle zwischen 2024 und 2026. Warum die Welle die richtigen trifft, und was das für seriöse Käufer und Sammler-Geschäfte bedeutet.

Zwischen August 2024 und Anfang 2025 hat sich die Händler-Landschaft im Sekundärmarkt für Luxusuhren spürbar gelichtet. Chronext aus Köln hat Insolvenz angemeldet und wurde übernommen, Watchmaster aus Berlin ist nach einem Millionen-Raub in die Insolvenz gerutscht, Chrono24 hat ein Viertel seiner Belegschaft abgebaut. Parallel sind zwei prominente Betrugsfälle aufgeflogen: der Timepiece Gentleman in Beverly Hills und der WatchFund in Singapur. Wir ordnen die Welle ein und kommen zu einem Ergebnis, das in den meisten Berichten so nicht steht: das ist keine Marktkrise. Es ist eine Bereinigung.

Von Boom zum Absturz

Die Vorgeschichte beginnt 2020 bis 2022. Lockdown, Nullzinsen, das private Geld sucht eine Rendite. Eine Stahl-Nautilus wird zum Rendite-Objekt, Daytona und Royal Oak handeln im Sekundärmarkt zum Vielfachen ihrer Listenpreise. Hunderte neue Online-Händler schießen aus dem Boden. Die meisten sind Quereinsteiger ohne Uhren-Handwerks-Hintergrund, die das Flipping als Geschäftsmodell entdeckt haben. Um beim steigenden Markt mitzuspielen, brauchst du Bestand. Weil das wenige aus eigener Kasse stemmen konnten, lief das Inventar oft auf Kredit. Solange die Preise steigen, sieht das Modell genial aus.

Im Frühjahr 2022 bricht die Annahme zusammen. Der Peak lag im März 2022, danach geht es elf Quartale in Folge in eine Richtung. Der Subdial-Index hat allein 2024 rund sechs Prozent verloren. Laut Bloomberg sind die Gebrauchtpreise von Rolex, Patek Philippe und Audemars Piguet auf ein Drei-Jahres-Tief gefallen. Vom April-2022-Peak gerechnet liegen die meistgehandelten Stücke über vierzig Prozent im Minus. Eine Patek Philippe 5711 in Stahl lag im September 2023 bei knapp 85.000 Pfund. Ein Jahr später bei rund 64.000 Pfund.

Der eigentliche Schlag war nicht der Preisrückgang allein. Parallel sind die Zinsen gestiegen. Wer Inventar am Peak auf Kredit gekauft hatte, wurde doppelt zerquetscht: die Uhren im Lager verloren jeden Monat an Wert, der Kredit dafür wurde jeden Monat teurer. Dazu drängte 2023 mit Rolex Certified Pre-Owned der Hersteller selbst in den Gebrauchtmarkt, allerdings nur mit Stücken, die beim autorisierten Konzessionär gekauft wurden. Den Zwischenhändlern ist damit ein Teil ihres Kerngeschäfts strukturell weggebrochen.

Wer konkret gefallen ist

Chronext aus Köln hat im August 2024 Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet und wurde Ende November von der Platform Group übernommen. Der geplante Börsengang 2021 war abgesagt worden, mehrere Wechsel an der Spitze waren vorausgegangen, und vor allem hatte Chronext sehr viel Ware selbst eingekauft. Genau dieser große, selbst finanzierte Eigenbestand wurde bei fallenden Preisen zur tickenden Bombe.

Watchmaster aus Berlin hat nach einem Millionen-Raub Insolvenz angemeldet. Der Überfall war der Auslöser, die Lage war zuvor schon angespannt. Chrono24, die größte Plattform der Branche, hat im Januar 2025 angekündigt, 110 Stellen zu streichen, rund 25 Prozent der Belegschaft. Hier ist die Differenzierung wichtig: Chrono24 ist nicht insolvent. Die Firma ist profitabel, das Gesundschrumpfen ist eine Anpassung an das veränderte Volumen.

Wenn man diese Fälle nebeneinanderlegt, sieht man das Muster. Es trifft zuerst und am härtesten die Händler mit dem großen, fremdfinanzierten Eigenbestand. Das ist die direkte Folge aus der Kombination Preisverfall plus Zinsanstieg.

Die Betrugswelle als Schatten der Preiswelle

Parallel zu den Pleiten ist eine zweite Welle ausgebrochen. Anthony Farrer, in den USA als The Timepiece Gentleman bekannt, ist zu 70 Monaten Haft verurteilt worden. Geschäftsmodell war Consignment in Beverly Hills: Kunden geben ihre Uhren bei ihm in Kommission, er verkauft und reicht das Geld weiter. Farrer hat das Geld nicht weitergereicht. Wenn ein Kunde Druck gemacht hat, hat Farrer ihm die Uhr eines anderen Kunden geschickt. Ein Loch mit einem neuen Loch gestopft. Gesamtschaden mindestens 5,6 Millionen Dollar.

Dominic Khoo aus Singapur hat mit dem WatchFund nach eigenen Angaben ein Geschäft im Volumen von 38 Millionen Dollar aufgebaut. Investoren legen Geld in Uhren-Investment-Pakete und sollen daraus Renditen erhalten. Heute ist Khoo bankrott, die Vorwürfe laufen auf Ponzi-ähnliche Strukturen hinaus, ein rechtskräftiges Urteil steht aus.

Das eigentliche Insight aus beiden Fällen: sowohl Farrers Consignment als auch Khoos Uhren-Fonds funktionieren nur unter einer Bedingung. Solange die Preise steigen und neues Geld nachkommt, lassen sich alte Verpflichtungen mit frischen Einzahlungen abdecken. Sobald die Preise fallen, kippt die Konstruktion. Die Betrugswelle ist damit kein Zufall und keine Häufung böser Einzeltäter. Sie ist der mechanische Schatten der Preiswelle.

Unsere Lesart: Bereinigung, kein Crash

Wer fällt, sind die Quereinsteiger aus dem Boom und die Händler mit überhebeltem Lager, die Flipping mit echtem Handel verwechselt haben. Wer überlebt, sind die Cash-Händler mit eigenfinanziertem Bestand und etabliertem Know-how. Wer seine Uhren bezahlt im Tresor hat, sitzt einen Preisrückgang aus, weil keine Verkaufs-Pflicht zum Notpreis besteht. Die aktuellen Pleiten waren fast durchgängig Finanzierungs-Pleiten, keine Nachfrage-Pleiten. Die Nachfrage nach Luxusuhren ist intakt. Was verschwindet, ist der Hype-Überbau und die Spekulanten, die in den letzten drei Jahren an die Ladentheke gerückt sind.

Genau diese Bereinigung macht den Markt mittelfristig ehrlicher. Nach der Betrugswelle ist Vertrauen kein weiches Soft-Argument mehr, sondern die härteste Währung im Sekundärmarkt. Wer dir eine echte Herkunft, eine geprüfte Echtheit und eine dokumentierte Provenienz liefern kann, schlägt jeden anonymen Discount-Anbieter, gerade jetzt.

Was das für Käufer bedeutet

Die wichtigste Folgerung: die Preise sind so fair wie seit Jahren nicht. Wer in den letzten zwei Jahren aus Listen-Druck nicht gekauft hat, bekommt 2026 ein Zeitfenster, das die Hype-Phase 2021 bis 2022 nicht offen hatte. Gleichzeitig ist die Auswahl der Händler-Quelle wichtiger geworden, nicht weniger. Wer beim billigsten anonymen Listing einsteigt, riskiert die Anschluss-Probleme aus der Pleitewelle: verschollene Anbieter, ausstehende Kommissions-Auszahlungen, fragwürdige Provenienz. Authentifizierung und Provenienz sind nicht verhandelbar geworden.

Das ist die ehrliche Lehre aus 2024 bis 2026. Der Markt sortiert sich gerade neu, und er sortiert in eine Richtung, in der seriöse Sammler-Geschäfte den strukturellen Vorteil zurückbekommen. Wer eine konkrete Uhr beschaffen oder durch unser Netzwerk vermitteln lassen will, ist über die Uhren-Beschaffung direkt angebunden.

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