Gefälschte Uhren schaden dem Markt auf vier Ebenen: Sie entziehen den Herstellern Umsatz, kosten Arbeitsplätze, verteuern jede ehrliche Transaktion am Gebrauchtmarkt und lassen den Käufer mit einem wertlosen Gegenstand zurück. Wie groß dieser Schaden ist, lässt sich inzwischen beziffern. Wir sind MWB Watches, die Munich Wristbusters aus München. Bekannt geworden sind wir mit dem Aufdecken von Fälschungen, heute kaufen und verkaufen wir Luxusuhren und prüfen jede davon über den MWB-CHECK.
How MWB verifies a watch — the same inspection we became known for.
Dieser Text ersetzt eine ältere Fassung aus dem Jahr 2023. Der Grund ist einfach: Seit dem 1. Juli 2026 gelten für Sendungen aus Drittländern neue Zollregeln, im Juli 2026 hat der Zoll in Konstanz einen Fall aufgedeckt, der exemplarisch zeigt, wie der Weg einer Fälschung nach Europa aussieht, und die großen internationalen Studien zum Thema sind 2025 neu erschienen.
Stand: August 2026. Dieser Text ist eine allgemeine Orientierung und keine Rechtsberatung.
Was sich 2026 geändert hat
Bis zum 30. Juni 2026 waren Warensendungen aus Nicht-EU-Ländern bis zu einem Wert von 150 Euro zollfrei. Seit dem 1. Juli 2026 ist diese Freigrenze gestrichen. Jede Sendung aus einem Drittland ist zollpflichtig, für Sendungen bis 150 Euro gilt übergangsweise ein Pauschalzoll von 3 Euro je Warenkategorie (Quelle: Zoll online, Pressemitteilung vom 29.06.2026). Die Einfuhrumsatzsteuer war bereits 2021 auf alle Sendungen ausgeweitet worden.
Die EU begründet den Schritt mit Wettbewerbsverzerrungen im Binnenmarkt, nicht mit Produktpiraterie. Für den Fälschungshandel ist der Effekt trotzdem erheblich, denn genau dieser Kanal ist sein Hauptweg: Rund 75 Prozent der Beschlagnahmungen gefälschter Schweizer Uhren stammen aus Postsendungen (Quelle: Fédération de l'industrie horlogère suisse, FH). Wer heute zehn Uhren in einem Paket aus China bestellt, bewegt sich nicht mehr unterhalb der Wahrnehmungsschwelle des Zolls.
Wie das praktisch endet, hat das Hauptzollamt Singen am 30. Juli 2026 öffentlich gemacht. Am 24. Juli entdeckten Zöllner in Konstanz zehn gefälschte Luxusuhren zweier namhafter Hersteller, per Post aus China an einen jungen Mann aus dem Kanton Zürich unterwegs. Wären die Uhren echt gewesen, hätten sie über 160.000 Euro gekostet. Die Fälschungen werden auf Antrag der Markeninhaber vernichtet, dem Empfänger drohen zivilrechtliche Schritte (Quelle: Hauptzollamt Singen, Pressemitteilung vom 30.07.2026).
Die Größenordnung: was der Fälschungsmarkt wirklich ist
Die belastbarsten Zahlen kommen von OECD und dem EU-Amt für geistiges Eigentum (EUIPO), die gemeinsam den Welthandel mit Fälschungen vermessen, sowie vom EU-Zoll, der seine Aufgriffe jährlich veröffentlicht.
| Kennzahl | Wert | Bezugsjahr | Quelle |
|---|---|---|---|
| Welthandel mit Fälschungen | 467 Mrd. US-Dollar, 2,3 % des Welthandels | 2021 | OECD/EUIPO, „Mapping Global Trade in Fakes 2025" |
| Fälschungs-Importe in die EU | 99 Mrd. Euro, 4,7 % aller EU-Importe | 2021 | OECD/EUIPO, ebenda |
| Vom EU-Zoll aufgegriffene Artikel | rund 112 Mio. Stück im Wert von 3,8 Mrd. Euro | 2024 | EU-Kommission/EUIPO, Bericht vom 01.10.2025 |
| Vom deutschen Zoll beschlagnahmt | rund 446 Mio. Euro, davon über 313 Mio. Euro persönliches Zubehör (Uhren, Schmuck, Taschen, Brillen) | 2025 | Jahresbilanz des Zolls, zitiert in der PM des Hauptzollamts Singen |
| Herkunft der Sendungen | rund 65 % aus China | 2025 | Jahresbilanz des Zolls, ebenda |
Eine Einschränkung, die in den meisten Artikeln zum Thema fehlt: Die beiden großen OECD-Studien von 2025 beruhen auf Handelsdaten des Jahres 2021. Sie beschreiben also einen Markt, der vier Jahre älter ist als ihr Erscheinungsdatum. In derselben Zeit hat sich das Paketvolumen aus China in die EU vervierfacht, auf 4,17 Milliarden Sendungen im Jahr oder rund 12 Millionen pro Tag (Quelle: FH, anlässlich der Vernichtungsaktion vom Oktober 2025). Die realen Zahlen dürften heute deutlich über den zitierten liegen.
Warum Uhren härter getroffen sind als fast jede andere Branche
Fälschungen verteilen sich nicht gleichmäßig über die Warenwelt. Bei Schweizer Schutzrechten sind Uhren nicht eine betroffene Kategorie unter vielen, sondern praktisch die einzige, die zählt: 87 Prozent aller weltweit beschlagnahmten Fälschungen, die Schweizer Schutzrechte verletzen, sind Uhren (Quelle: OECD, „Counterfeiting, Piracy and the Swiss Economy 2025", Bezugsjahr 2021).
Die zugehörigen Beträge aus demselben Report: Fälschungen mit Schweizer Marken hatten einen Handelswert von 4,7 Milliarden US-Dollar, das entspricht 1,3 Prozent der Schweizer Exporte. Auf Uhren und Schmuck entfielen davon 2,52 Milliarden US-Dollar, also mehr als die Hälfte. Der Umsatzverlust des Uhren- und Schmucksektors lag bei 1,44 Milliarden US-Dollar und war damit der größte aller untersuchten Branchen. Für die Schweiz insgesamt errechnet die OECD rund 3 Milliarden US-Dollar entgangene Umsätze, über 6.000 verlorene Arbeitsplätze und knapp 97,8 Millionen US-Dollar entgangene Steuereinnahmen.
Der Uhrenverband FH beziffert die Produktion auf etwa 40 Millionen gefälschte Uhren pro Jahr, nach eigenen Angaben rund ein Viertel mehr, als die Schweiz insgesamt herstellt, und lässt jährlich etwa eine Million Stück vernichten. Am 25. Oktober 2025 wurden in Köniz bei Bern 1,5 Tonnen beschlagnahmter Uhren zerstört, rund 7.500 Stück aus Aufgriffen der Jahre 2019 bis 2025. Der Branche gehen nach FH-Schätzung jedes Jahr rund 2.500 Arbeitsplätze verloren. Mehr als die Hälfte der Käufer von Fälschungen ist zwischen 15 und 34 Jahre alt.
Wer den Schaden trägt
Die Diskussion bleibt meistens bei den Herstellern stehen. Das greift zu kurz, denn der Schaden verteilt sich auf vier Gruppen, und der Hersteller ist nicht einmal die, die es am härtesten trifft.
| Betroffen | Wodurch |
|---|---|
| Hersteller | Entgangener Umsatz, Entwertung der Marke, Kosten für Rechtsverfolgung und Vernichtung |
| Beschäftigte | Rund 2.500 Arbeitsplätze pro Jahr allein in der Schweizer Uhren- und Schmuckbranche (FH) |
| Gebrauchtmarkt | Jede Transaktion braucht eine physische Prüfung, jeder Verkäufer ohne lückenlose Papiere gerät unter Generalverdacht |
| Käufer der Fälschung | Totalverlust: keine Garantie, kein Service, kein Wiederverkaufswert, Einziehung und Vernichtung durch den Zoll |
Der Schaden, den keine Statistik erfasst
Die Zahlen oben messen, was beschlagnahmt oder nicht verkauft wurde. Was sie nicht messen, ist der Effekt auf den Zweitmarkt, und genau dort arbeiten wir jeden Tag.
Eine Uhr ist unter Sammlern deshalb ein guter Wertspeicher, weil sie sich zwischen Fremden übertragen lässt. Diese Übertragbarkeit hängt an einer einzigen Voraussetzung: Der Käufer muss glauben können, dass die Uhr echt ist. Jede gute Fälschung, die in Umlauf kommt, macht diesen Glauben ein Stück teurer. Nicht abstrakt, sondern in Arbeitszeit, Prüfkosten und Preisabschlägen, die am Ende jeder ehrliche Verkäufer mitbezahlt.
Konkret bedeutet das in unserem Ankauf: Keine Uhr wechselt bei uns den Besitzer, ohne dass sie physisch geprüft wurde. Wir öffnen das Gehäuse und sehen uns das Werk an, wir gleichen Seriennummer, Referenz und Baujahr gegeneinander ab, wir prüfen die Papiere getrennt von der Uhr und fragen sie gegen die Fahndungsdaten ab. Das ist kein Misstrauen gegenüber dem einzelnen Verkäufer. Es ist die Konsequenz daraus, dass der Fotovergleich, mit dem wir 2019 auf Instagram angefangen haben, für eine Kaufentscheidung nicht mehr ausreicht.
Zwei Entwicklungen haben das ausgelöst. Die erste sind Fälschungen, die auf ein einzelnes gefragtes Modell hin optimiert sind, mit geklontem Automatikwerk, korrektem Gewicht und einer Datumslupe, die den üblichen Schnelltests standhält. Die zweite betrifft die Papiere: Auch Garantiekarten und Zertifikate werden gefälscht, weshalb ein vollständiges Set allein nichts beweist. Der ehrliche Satz dazu lautet: Es gibt keinen Test, den ein Laie am Küchentisch durchführen kann und der für eine fünfstellige Kaufentscheidung ausreicht. Wie eine solche Fälschung im Detail aussieht, haben wir am Beispiel zusammengesetzter Uhren in unserem Beitrag zu Frankenwatches gezeigt.
Was Käufer einer Fälschung riskieren
Der Fall aus Konstanz zeigt die Kette, die in Gang kommt, sobald eine Sendung auffällt. Der Zoll hält die Ware an und informiert den Markeninhaber. Auf dessen Antrag wird die Fälschung vernichtet, der Empfänger sieht weder Uhr noch Geld wieder. Zusätzlich können die Markeninhaber zivilrechtliche Ansprüche geltend machen, etwa auf Erstattung der Kosten. Das gilt auch dann, wenn jemand eine einzelne Uhr für sich selbst bestellt hat.
Der Weiterverkauf ist ein eigenes Thema und rechtlich deutlich schärfer zu bewerten als der Kauf. Wer eine Fälschung anbietet, bewegt sich im geschäftlichen Verkehr und damit in einem anderen Rahmen. Für die konkrete Beurteilung eines Einzelfalls ist eine anwaltliche Einschätzung nötig, dieser Text kann sie nicht ersetzen.
Wirtschaftlich ist der Fall dagegen eindeutig. Eine Fälschung hat keinen Wiederverkaufswert über dem Materialwert, weil jeder seriöse Händler und jedes Auktionshaus sie aussortiert. Sie lässt sich beim Hersteller nicht warten. Und sie ist nicht versicherbar wie eine echte Uhr.
Was hilft
Die Antwort ist unspektakulär: prüfen, bevor Geld fließt. Für den Verkauf ebenso wie für den Kauf.
Bei uns durchläuft jede Uhr den fünfstufigen MWB-CHECK, bevor sie in den Bestand geht. Wer bei uns kauft, kauft damit eine geprüfte Uhr statt einer Einschätzung, nachzusehen in unserer Auswahl geprüfter Luxusuhren. Wenn eine bestimmte Referenz gerade nicht im Bestand liegt, ziehen wir sie über die Uhren-Beschaffung geprüft aus unserem Händlernetz. Und wer eine eigene Uhr verkaufen möchte, bekommt den Befund vor dem Angebot, nicht danach: Uhr verkaufen.
FAQ
Wie groß ist der Schaden durch gefälschte Uhren?
Die OECD beziffert den Umsatzverlust der Schweizer Uhren- und Schmuckbranche auf 1,44 Milliarden US-Dollar, den Handelswert der Fälschungen mit Schweizer Marken in diesem Segment auf 2,52 Milliarden US-Dollar (Bezugsjahr 2021). Der Uhrenverband FH schätzt zusätzlich rund 2.500 verlorene Arbeitsplätze pro Jahr.
Warum sind gerade Uhren so stark betroffen?
Weil der Wert pro Stück hoch und das Volumen klein ist. Eine Uhr im Wert von mehreren zehntausend Euro passt in einen Briefumschlag, was den Postweg zum idealen Transportkanal macht. Rund 75 Prozent der Aufgriffe stammen aus Postsendungen. Entsprechend entfallen 87 Prozent aller Beschlagnahmungen mit Schweizer Schutzrechten auf Uhren.
Ist es strafbar, eine gefälschte Uhr zu kaufen?
Der Zoll zieht die Ware ein und vernichtet sie auf Antrag des Markeninhabers, der zusätzlich zivilrechtliche Ansprüche geltend machen kann. Das gilt auch beim Kauf für den Eigenbedarf. Der Weiterverkauf ist rechtlich deutlich schärfer zu bewerten. Für den konkreten Einzelfall ist anwaltlicher Rat nötig.
Was hat sich am 1. Juli 2026 geändert?
Die Zollfreigrenze von 150 Euro für Sendungen aus Drittländern ist entfallen. Seither ist jede Sendung zollpflichtig, für Waren bis 150 Euro gilt übergangsweise ein Pauschalzoll von 3 Euro je Warenkategorie. Für Bestellungen aus Nicht-EU-Ländern bedeutet das eine lückenlosere zollrechtliche Erfassung.
Erkennt man eine gute Fälschung noch am Foto?
Für eine erste Einschätzung reicht ein Foto, für eine Kaufentscheidung selten. Hochwertige Fälschungen kopieren Gewicht, Zifferblatt-Druck und Werkbild so genau, dass der Unterschied am Bild nicht mehr sichtbar ist. Sicherheit gibt erst die physische Prüfung.
Warum warnt ausgerechnet ein Uhrenhändler vor Fälschungen?
Weil wir als Munich Wristbusters mit dem Aufdecken von Fälschungen angefangen haben, bevor wir gehandelt haben. Und weil ein funktionierender Gebrauchtmarkt unsere Geschäftsgrundlage ist: Er funktioniert nur, solange Käufer und Verkäufer einander vertrauen können. Genau das zerstören Fälschungen.


